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TOP 5 – Bücher zum Thema Altissimo (High Notes)

„There is no better single exercise to develop tone production and intonation than the playing of a few overtones each day“ (Sigurd M. Raschèr)

 

Altissimo, Flageoletts, High Notes, Obertöne, Overtones, Top-Tones, Überblastöne: Wenn diese Begriffe benutzt werden (habe ich einen übersehen?), dreht es sich meistens darum, Töne über dem notierten Fis³ zu spielen. Die Zeiten, in denen dieses Thema neu und exotisch war, sind lange passé. Heutzutage führt kein Weg mehr daran vorbei, sich mit dieser elementaren Spieltechnik auseinanderzusetzen. Wie so häufig im Leben, ist hier nämlich der Weg das Ziel. Die passende Fachliteratur ist eure ideale Reisebegleitung. Damit ihr nicht lange nach ihr suchen müsst, teile ich hier fünf besonders informative und hilfreiche Bücher zum Thema mit euch:

Platz 5

A Collection Of Etudes Targeting Altissimo Passages In Alto Saxophone Literature Erik Vincent Steighner Saxophon

Steighner, Erik Vincent (2008): A Collection of Etudes Targeting Altissimo Passages in Alto Saxophone Solo Literature, The University of Texas at Austin

 

101 Seiten, Englisch

 

Diese Doktorarbeit wurde 2008 an der University of Texas at Austin (USA) vorgelegt.

 

Erik Vincent Steighner stellt darin 14 von ihm verfasste Etüden speziell für das Altissimo vor. Die Etüden werden im Vorfeld ausgiebig besprochen, wodurch ihr Entstehungsprozess sehr anschaulich beleuchtet wird.

Um es direkt deutlich zu machen: Diese Etüden sind sehr speziell. Sie sind exklusiv für klassisches Altsaxophon konzipiert und stellen eine zum Teil sehr große spielerische Herausforderung dar. Sie sind also nur für eine sehr exklusive Zielgruppe relevant.

Der Grund, warum ich diese Arbeit trotzdem in meine TOP 5 aufgenommen habe, ist ihr einleitender Teil. Auf gerade einmal 13 Seiten findet sich hier, neben Hintergrundinformationen und einigen Überlegungen zur richtigen Spieltechnik, die wohl umfangreichste Literaturliste zum Thema.

 

Steighners Doktorarbeit kann somit eine erste Anlaufstelle für euch sein, um einen Überblick über den Sachstand zum Thema Altissimo zu gewinnen. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Arbeit frei zugänglich ist.

 

Erik Vincent Steighners Doktorarbeit bei der University of Texas abrufen

Platz 4

Eugene Rousseau das Höhen-Register des Saxophons Eine systematische Studie extrem hoher Lagen für Sopran- Alt- Tenor- und Baritonsaxophon Deutsche Ausgabe

Rousseau, Eugene (1992): Das Höhen-Register des Saxophons. Eine systematische Studie extrem hoher Lagen für Sopran-, Alt-, Tenor- und Baritonsaxophon, Étoile Music

 

71 Seiten, Deutsch

 

Eugene Rousseau veröffentlichte seinen Beitrag zum Thema Altissimo erstmals im Jahr 1978. Der englische Originaltitel lautet: Saxophone High Tones.

 

Seit vielen Jahren nimmt Das Höhen-Register des Saxophons einen festen Platz in der Fachliteratur ein. Es ist ziemlich umfangreich und stellt viele Hintergrundinformationen bereit. Rousseau geht bei der Erläuterung einiger Teilaspekte relativ stark in die Tiefe und berücksichtigt, in gewissem Rahmen, auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Saxophon-Bauformen.

Leider ist Das Höhen-Register aber sehr unübersichtlich angelegt und wirkt zudem absolut altbacken. Rousseau verliert sich in Details, wie zum Beispiel einer komplizierten Tuning-Maßnahme an der Klappenmechanik. Den roten Faden seiner Methode sucht man als Leser derweil vergeblich. Manche Instruktionen lassen sich nur schwer nachvollziehen und das kann, vor Allem im Selbststudium, schnell für Frustration sorgen.

 

Als Hauptwerk für das Studium des Altissimos würde ich euch Das Höhen-Register des Saxophons – wenn überhaupt – nur in Verbindung mit fundierten Grundkenntnissen oder regelmäßigem und professionellem Feedback empfehlen.

Platz 3

Robert A. Luckey Saxophone Altissimo High Note Development For The Contemporary Saxophone Player Saxophon

Luckey, Robert A. (1993): Saxophone Altissimo. High Note Development for the Contemporary Saxophone Player, Advance Music

 

149 Seiten, Englisch, Deutsch & Französisch

 

Saxophone Altissimo ist das umfangreichste und ambitionierteste Buch auf dieser Liste.

 

Auf den ersten Blick scheint dieses Buch wirklich alles zu haben: eine ausführliche Übersicht der geschichtlichen Entwicklung des Altissimo-Spiels, theoretische Erläuterungen, haufenweise Übungen, eine 39-seitige (!) Grifftabelle, weiterführende Übungen für Klassik UND Jazz – alles verpackt in einem klaren, zeitlosen Layout und zu allem Überfluss auch noch simultan in drei Sprachen.

Dass die Übersichtlichkeit bei soviel Inhalt – und auch der dreisprachigen Darstellung – ein wenig leiden musste, ist verzeihlich. Allerdings leistet sich Robert Luckey an anderer Stelle einen groben Schnitzer, über den man nicht so leicht hinwegsehen kann: Übungen zur Erlernung der Grundtechnik des Überblasen sind praktisch nicht vorhanden. Knappe fünf Seiten gesteht Luckey diesem elementaren Lernschritt zu – bei 149 Seiten Gesamtlänge. Anstatt einen nachvollziehbaren und nachhaltigen Zugang zu vermitteln, hat dieses Buch leider nur die Methode „Friss oder stirb!“ im Angebot.

 

Ich stehe Robert Luckeys Saxophone Altissimo sehr zwiegespalten gegenüber. Als Hauptliteratur möchte ich es nicht weiterempfehlen – insbesondere nicht für Anfänger. Als weiterführende Literatur oder Nachschlagewerk gefällt es mir hingegen ausgesprochen gut. 

Platz 2

Sigurd M. Manfred Rascher Raschèr Top-Tones Top Tones For The Saxophone Four-Octave Range Third Edition Mit deutschem Text Saxophon

Raschèr, Sigurd M. (1977): Top-Tones for the Saxophone. Four-Octave Range (Third Edition), Carl Fisher

 

Buch mit zusätzlicher Übersetzung; 24+7 Seiten, Englisch & Deutsch

 

Bei Top-Tones for the Saxophone handelt es sich um den ersten ernsthaften Versuch, das Altissimo des Saxophons systematisch zu erfassen und einer breiten Masse zugänglich zu machen.

 

Es erschien erstmals im Jahr 1941, stammt aus der Feder des legendären klassischen Saxophonisten Sigurd Manfred Raschèr und zählt noch heute zu den berühmtesten Werken auf diesem Gebiet. Raschèrs Methode ist ganzheitlich und betont die positiven Auswirkungen, die das gezielte Arbeiten mit Obertönen auf das Spielen insgesamt hat. Heute, nach diversen Neuauflagen, Bearbeitungen und Übersetzungen, hat dieses Werk nichts von seiner Effektivität eingebüßt. Es ist sehr kompakt und beschränkt sich auf das Wesentliche. Die Erklärungen sind knapp gehalten und kommen schnell zum Punkt. Wenn man diesen „Punkt“ allerdings übersieht, ist man schnell aufgeschmissen, denn weiterführende Hilfestellungen sucht man hier vergebens. Eine weitere Unzulänglichkeit stellt die aus heutiger Sicht zu knapp gehaltene Grifftabelle dar.

 

Der Zahn der Zeit hat diesem Meilenstein der Saxophonliteratur nicht viel anhaben können. Dieses Buch ist bis heute, in Kombination mit (gutem) Unterricht, eine sichere Bank und absolut empfehlenswert.

Platz 1

Ben Britton A Complete Approach To Overtones Vivid Sound And Extended Range Saxophon

Britton, Ben (2014): A Complete Approach to Overtones. Vivid Sound and Extended Range, Ben Britton

 

58 Seiten, Englisch

 

Dieses Buch des US-amerikanischen Jazzsaxophonisten Ben Britton ist ein relativ junges Werk und hebt sich von den anderen Büchern auf dieser Liste deutlich ab.

 

A Complete Approach to Overtones führt den Leser zunächst mit allgemeinen Erläuterungen und Hintergrundinformationen kurz und bündig in die Thematik ein. Der anschließende praktische Teil beginnt mit sehr einfachen Grundlagenübungen. So weit, so gewöhnlich.

Danach wird es äußerst interessant: Im weiteren Verlauf des Buches verzichtet Britton auf seitenlange Erklärungen oder Darstellungen der Anatomie des Rachenraums. Stattdessen ist seine Methode rein (spiel-)praktisch ausgelegt. Die Lektionen bauen teilweise aufeinander auf und der Schwierigkeitsgrad wird sehr behutsam gesteigert. Die Konzeption einer solchen linear verlaufenden Leistungskurve ist für dieses Thema absolut ungewöhnlich und zeugt von einem tiefen Verständnis für die üblicherweise auftretenden Probleme beim ersten Experimentieren mit dieser Spieltechnik. Ein weiterer Clou ist, dass dieses Buch, trotz seiner Länge, im Kern ein reines Grundlagenwerk ist. Ziel des Buches ist also nicht, die allerhöchsten Töne zu produzieren, sondern vielmehr, das Erzeugen von Obertönen zuverlässig in das eigene Saxophonspiel zu integrieren.

 

A Complete Approach to Overtones stellt in meinen Augen die ideale Einstiegsliteratur für das Altissimo-Spielen dar. Anstatt mit einer falschen Ehrfurcht begegnet Ben Britton diesem elementaren Thema mit einer beruhigenden Lässigkeit.

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